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Künstlerkarten, Foto: Philipp Schuster

25.01.2022

Barrieren im Kopf

Themen

Helmuth Stöber ist Gründer von VOI fesch, ein soziales Projekt, das die Kunst von Menschen mit Behinderungen sichtbar machen möchte. Vielleicht kennst du ja schon die coolen T-Shirts von VOI fesch oder den Kunstpreis?

Er erklärt dir, warum du keine Angst haben musst, etwas falsch zu machen, sondern dich einfach auf Menschen einlassen solltest. Und warum von Inklusion alle profitieren.

Modenschau in der Wiener Altstadt, Foto: VOI fesch

VOI fesch T-Shirt, Foto: Philipp Schuster

Inklusion bedeutet, Menschen in die Gesellschaft einzubeziehen. Eigentlich sollte das ja eine Selbstverständlichkeit sein. Trotzdem bleibt dieser Anspruch oft aus banalen Gründen sehr abstrakt. „Ich hatte 27 Jahre meines Lebens kaum Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung“, erzählt Helmuth Stöber. „Erst als ich ehrenamtlich als Sachwalter zu arbeiten begann, hatte ich drei Klient*innen.“

Behinderungen in den Hintergrund rücken

Warum Helmuth das erzählt? Viele von uns haben Angst, Fehler zu machen. Wir wissen nicht, wie wir auf Menschen zugehen sollen, die zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. „Wir haben Barrieren im Kopf, die es abzubauen gilt. Ich habe durch konkrete Begegnungen gelernt, mich auf die Menschen einzulassen. Die Behinderungen sind dadurch in den Hintergrund gerückt.“

Wie bringt man das Thema unbeschwert in den Alltag?

Mittlerweile ist Helmuth Gründer und Geschäftsführer von VOI fesch. Bei diesem sozialen Projekt gibt es T-Shirts, Sweater und Taschen mit Motiven von Künstler*innen mit Behinderung zu kaufen und einen Kunstpreis, der regelmäßig vergeben wird. „Uns ist ein positiver Zugang wichtig, das Thema unbeschwert in den Alltag zu bringen“, sagt Helmuth. Wie das konkret aussieht? Vielleicht fragt dich ja jemand auf der Straße, woher dein cooles T-Shirt ist, und dann kannst du erklären, dass es von Künstler*innen mit Behinderungen gemacht wurde.

LKW-Gestaltung von Künstlerin Bettina Onderka, Foto: Philipp Schuster

Künstler Richard Pilor, Foto: Philipp Schuster

Kommunikation auf Augenhöhe

Mitleid ist definitiv der falsche Weg, weil es von oben herab kommt. Augenhöhe ist gefragt, auch keine allzu große Hemmschwelle, etwas falsch zu machen. „Im Gespräch lernst du schon, was den Betroffenen ein Anliegen ist, auch, welche Begriffe du am besten verwendest.“ So ist „Behinderter“ oder „behinderter Mensch“ deshalb schwierig, weil die Behinderung ins Zentrum rückt. „Menschen mit Behinderung“ sagt, dass wir alle Menschen sind, nur manche haben halt Behinderungen, aber eigentlich geht es um das Verbindende. Sprache schafft Realitäten, und eigentlich ist es auch ziemlich einfach zu verstehen, worum es geht, wenn du es richtig erklärt bekommst.

Eine Bühne für Künstler*innen schaffen

VOI fesch ist es aber auch ein Anliegen, dass Menschen mit Behinderung sich mehr zutrauen können, dass es möglich ist, ihr Potenzial zu erkennen und zu fördern. Deshalb ist der Kunstpreis, der jedes Jahr vergeben wird, besonders wichtig. „Die Preisträger*innen stehen auf der Bühne, sie werden als Künstler*innen wahrgenommen, und nicht wie sonst oft als Klient*innen. Sie erfahren, dass sie der Gesellschaft etwas geben können. Das möchte doch jede*r von uns“, erzählt Helmuth. Veränderung funktioniert nur, wenn jede*r bei sich im Kleinen anfängt. Also, einfach neugierig auf Menschen zugehen, ob mit oder ohne Behinderung.