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Foto: Stadt Wien Marketing Christoph Liebentritt

16.07.2021

Darf's ein bisserl Mord sein?

Der Journalist, Autor und DJ Fritz Ostermayer hat die Lesungen beim Kultursommer Wien programmiert. Er versteht nicht, warum noch immer zwischen Hoch- und Popkultur getrennt wird und lässt Rapper*innen Texte von Rapper*innen lesen.

Zwischendurch darf aber auch gesungen werden. Außerdem liebt Ostermayer schwarzen Humor, der unter anderem in einer Hommage an den Poeten H.C. Artmann nicht zu kurz kommen wird.

Fritz Ostermayer Foto: Magdalena Blaszczuk

Trauermärsche, Totenlieder und Grabreden

Den Wienerinnen und Wienern wird ein Hang zum Morbiden nachgesagt. Der Tod scheint die ständige Begleitung zu sein, irgendwie unheimlich, aber auch ein guter, alter Freund. „Heite grob ma Tote aus“, singt der Austropop-Star Voodoo Jürgens. „Med ana schwoazzn dintn“ nannte der 2000 verstorbene Lyriker H.C. Artmann seinen berühmten Gedichtband von 1958. Fritz Ostermayer, FM4-Legende und Leiter der Wiener Schule für Dichtung, hat ein Faible für Trauermärsche und Totenlieder. Im Burgenland aufgewachsen, hat er schon als Kind miterlebt, wie die Blasmusik für Hochzeiten und Begräbnisse geprobt hat. Bereits als Sechsjähriger entwickelte er seine Begeisterung für die Tonart Moll, die nach wie vor anhält.

„Meine Trauermusiksammlung umfasst mehr als 2.500 Lieder“, erzählt Ostermayer, der für den Kultursommer Wien die Lesungen programmiert hat. Da darf es ruhig ein wenig makaber zugehen. Am 12. Juni wäre der Poet H.C. Artmann 100 geworden, als Hommage gibt es zwei Artmann-Programme. Zuerst liest der Autor Stefan Slupetzky aus seinem demnächst erscheinenden Buch mit fiktiven Grabreden, Ostermayer steuert seine traurig-schönen Trauermärsche bei (31. Juli, 18.30 Uhr), dann spielt Voodoo Jürgens (31. Juli, 20.00 Uhr).

Voodoo Jürgens spielt am 31. Juli um 20.00 Uhr zum 100. Geburtstag von H.C. Artmann am Wallensteinplatz

Foto: Stadt Wien Marketing Christoph Liebentritt

Mehr als nur Lesungen: Rap-Stereotype durch den Kakao ziehen

„Mir ist die Enthierarchisierung von Kunst wichtig“, erzählt der Kurator: „Ich verstehe nicht, warum ein Krimi hierzulande weniger gilt als der neue Roman von Peter Handke.“ Pop und Poesie passen für Ostermayer bestens zusammen, die Grenzen sind ohnehin fließend. „Wenn Rapper*innen die Texte von Rapper*innen lesen, darf dazwischen auch ruhig gesungen werden“, sagt Ostermayer, der den Musiker und DJ in sich gar nicht leugnet, obwohl er für die Literatur zuständig ist. Am 8. August gibt es die Stand-up-Show über Rap als literarisches Genre, die zugleich auch Comedy ist, weil alteingesessene Stereotype und Klischees durch den Kakao gezogen werden.

Am 23. Juli kann man sich aber auch von Thomas Bernhard, dem großen Wortakrobaten und scharfsinnigen Beobachter der menschlichen Niedertracht beschimpfen lassen. Heuer wäre der 1989 verstorbene österreichische Dramatiker 90 geworden. Grischka Voss und Markus Hering lesen Schauspieler*innenbeschimpfungen aus Stücken wie „Heldenplatz“ oder „Ritter, Dene, Voss“. „Künstlervernichtung“ nennt sich der sehr unterhaltsame Abend.

"Darf's ein bisserl Mord sein" mit Franziska Singer und Amrei Baumgartl Foto: RM Detoyato

Krimi-Stimmung bei den Kultursommer-Lesungen: Mord und Todschlag

Auch spannend: „Darf's ein bisserl Mord sein?“ (24. Juli) ist einer der Top-Podcasts des Landes. Im True Crime-Kanal wird in jeder Folge eine wahre Kriminalgeschichte beleuchtet. Meist handelt es sich um kuriose Fälle. Im Rahmen des Kultursommers gestalten die beiden Produzentinnen Franziska Singer und Amrei Baumgartl einen „bunten Abend voller Mord und Todschlag“.

Es gibt aber auch relativ klassische Lesungen, stets im Doppelpack. Hier kann man zwei unterschiedliche Autor*innen an einem Abend erleben. Nach welchen Kriterien hat Ostermayer die Paare zusammengespannt? „Manche haben einen ähnlichen Humor, wie Gustav Ernst und Antonio Fian. Andere sind eher gegensätzlich, aber genau das fand ich spannend.“