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03.05.2021

Das richtige Rot

Selbst, wenn die Museen geschlossen sind, kannst du dank der virtuellen Art Walks exklusive Führungen durch Ausstellungen der Albertina, Albertina modern und des Kunstforums machen.

Stefan Yazzie Herbert, Gründer der Kreativagentur House of Bandits, hat technisch einiges ausprobiert, damit dieser Online-Auftritt für dich ein cooles Erlebnis wird.

Der Besuch einer Vernissage ist ein sozialer Event. Wie bekommt man das online hin?

Das war tatsächlich eine große Herausforderung. Wir haben gar nicht erst versucht, eine Welt, die bereits existiert, nachzumachen. Wir wollten etwas Neues kreieren und haben großen Wert auf die visuelle Inszenierung gelegt. Wir haben den kompletten Ausstellungsraum als Bühne genutzt. Mit einer bewegten Kamera konnten wir interessante Details einbauen. Wir haben viel ausprobiert, was extrem Spaß gemacht hat.

Ich glaube, ihr hattet auch eine spezielle Technik, damit die Farben der Kunstwerke gut rauskommen?

Genau. Mein Vater ist ein Farbspezialist, der beschäftigt sich schon ein Leben lang mit diesem Thema. Deshalb hat er mir sehr gut beibringen können, wie das funktioniert. Wir haben mit sogenannten LUTS gearbeitet, das sind Voreinstellungen für die Kamera, damit die Gemälde so schön wie möglich dargestellt werden. Es bringt wenig, wenn man Aufnahmen von Kunstwerken sieht, wo das Rot nicht das richtige Rot – also der Ton vom Original – ist.

Absolut perfekt

Klingt nach einem sehr wissenschaftlichen Ansatz.

Absolut. Mein Vater wäre stolz, wie gut wir die Farben hinbekommen haben. Es handelt sich um ein relativ junges Forschungsfeld, das es erst seit ein paar Jahren gibt. Früher war diese Farbgenauigkeit durch die Browser gar nicht möglich. Deshalb haben die Museen auch wenig darauf geachtet. Sie waren penibel, wenn sie einen Katalog oder ein Buch machten, da sollten die Farben absolut perfekt sein. Für Social Media, Marketing und Kommunikation nahm man ungenaue Aufnahmen. Aber ich finde, das ist nicht der richtige Weg. Gerade auf diesen Kanälen werden die Kunstwerke doch von sehr vielen Menschen gesehen. Und denen sollte man die beste Qualität liefern.

Sind die Führungen denn auch interaktiv?

Auch da haben wir uns etwas Spezielles überlegt. Für die Bank Austria ist der Datenschutz sehr wichtig. Wir haben deshalb ein Tool gebaut, mit dem man ohne Registrierung in den Chat einsteigen kann. Normalerweise muss man sich ja immer anmelden, um etwas zu streamen. Auch uns ist die Privatsphäre wichtig, deswegen wollten wir die Anonymität aller Besucher*innen garantieren. Wir haben dafür mit Technologien gearbeitet, die 30 Jahre alt sind. Manchmal bewähren sich diese alten Anwendungen einfach am besten.

Foto: Viki Noviki

Exklusiver Zugang

Wer macht die Führungen eigentlich?

Um die Exklusivität des Art Walks zu gewährleisten, übernehmen die Kurator*innen die Führungen persönlich. Die kennen sich am besten aus, erklären, warum sie welche Kunstwerke ausgewählt haben, vielleicht gibt es auch eine persönliche Anekdote, die sie erzählen können. Normalerweise treten sie in der Öffentlichkeit selten auf und bieten kaum Führungen an. Bei uns kannst du schon während des Art Walks über die Chatfunktion direkt Fragen an sie stellen. Du bekommst dadurch einen exklusiven Zugang zu Hintergrundwissen, den eine normale Führung nicht bieten kann.