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Bank Austria Kunstforum Wien

11.01.2022

Der Maler und das Biest

2022 wird ein spannendes Jahr für die Kunst. Wir sagen dir schon jetzt, welche zehn Ausstellungen du nicht verpassen solltest. Und zwar nicht nur in Wien, sondern auch in Berlin, London und Paris.

Von Surrealismus bis zu Francis Bacon und Edvard Munch: Die großen Ausstellungen werfen einen ungewöhnlichen Blick auf Kunst, die man zwar kennt, aber neu entdecken sollte.

Francis Bacon: Man and Beast an der Royal Academy of Arts in London (ab 29.1.)

Francis Bacon ist einer der wichtigsten Maler der 20. Jahrhunderts. Verkrüppelte Körper, bluttriefende Fleischmassen, Inneres, das nach außen gestülpt wird: Bacons Gemälde zeigen exzessive Gewalt, sie sind ungeschönt und gewagt. Der Schrei war eines seiner zentralen Motive. Er lebte offen seine Spielsucht, seinen Masochismus und seine Alkoholexzesse. Was bisher viel zu wenig thematisiert wurde: Bacon war fasziniert von Tieren. Bei vielen seiner Gemälde weiß man nicht, wo das Menschliche aufhört, wo das Tierische beginnt. Der Maler hat auf Reisen in Afrika Wildtiere beobachtet, hatte eine große Sammlung an Tierbüchern in seinem Londoner Studio. Die Ausstellung „Man and Beast“ an der Royal Academy of Arts in London beschäftigt sich mit Bacons lebenslanger Tierfaszination.

Dalí – Freud. Eine Obsession im Unteren Belvedere in Wien (ab 1.2.)

Der surrealistische Maler Salvador Dalí war begeistert von den Theorien des Wiener Arztes Sigmund Freud, der das Unterbewusste erforschte. Er versuchte mehrmals, sein Idol auch persönlich zu treffen. Im April 1937 war er in Wien, aber der Kontakt scheiterte. Erst im Juli 1938 trafen die beiden aufeinander. Eine Ausstellung im Unteren Belvedere geht dieser Obsession für Freud nach und wie sich diese im Werk von Dalí niederschlug.

David Hockney: INSIGHTS im Bank Austria Kunstforum Wien (ab 10.2.)

Von David Hockney kennst du bestimmt seine berühmten Swimmingpool-Bilder. Im Bank Austria Kunstforum ist ab dem 10.2. nun erstmals in Österreich eine umfassende Werkschau dieses faszinierenden britischen Künstlers zu sehen, zahlreiche seiner berühmten Gemälde und Druckgrafiken reisen aus der Sammlung der Tate in London nach Wien. Früh setzte sich Hockney mit Homosexualität auseinander, als sie in England noch als Straftat galt, er malte immer wieder die Landschaft seiner nordenglischen Heimat, interessierte sich aber auch sehr für die cleanen Interior-Designs seiner Wahlheimat an der amerikanischen Westküste.

Charles Ray im Centre Pompidou in Paris (ab 16.2.)

Bedrohlich groß sind die menschlichen Figuren des amerikanischen Künstlers Charles Ray. Am bekanntesten ist seine Statue eines Jungen, der einen Frosch hält. 2,44 Meter ist dieses Kind, das ursprünglich in Venedig stand, aber nach Bürgerprotesten entfernt wurde. Auch im Museum überraschen und irritieren seine figurativen Skulpturen, die mit der Antike spielen, aber sie mit zeitgenössischen Themen verbinden. Im Pariser Centre Pompidou ist ab 16.2. eine Ray-Ausstellung zu sehen.

Edvard Munch in der Albertina (ab 18.2.)

In Oslo wurde gerade ein architektonisch spektakuläres neues Museum eröffnet, das sich dem Maler Edvard Munch (1863–1944) widmet. Wie kaum ein Künstler hat der Norweger, dessen berühmtes Gemälde „Der Schrei“ in seiner existenziellen Not nach wie vor modern und berührend wirkt, zahlreiche Kolleg*innen nach ihm inspiriert. Die Albertina zeigt in ihrer Hauptausstellung 2022 deshalb nicht nur rund 60 Meisterwerke von Munch, sondern auch künstlerische Reaktionen. „Edvard Munch – Im Dialog“ heißt die Schau, die vom 18. Februar bis zum 19. Juni zu sehen sein wird, in der Werke des Norwegers auf Arbeiten von Andy Warhol oder Tracy Emin treffen.

Surrealism Beyond Borders in der Tate Modern in London (ab 24.2.)

Die Kunstbewegung des Surrealismus wurde in den letzten Jahren stark ins Zentrum gerückt, so gab es eine große Schau über Frauen im Surrealismus. Ab 24. Februar möchte die Tate Modern in London ebenfalls das Blickfeld erweitern und den Surrealismus, der im Paris der 1920er-Jahre entstanden ist, von seinen engen regionalen Grenzen befreien. Der Surrealismus ist eine Art, die Realität neu und anders zu sehen. Die Ausstellung „Surrealism Beyond Borders“ zeigt Kunstschaffende aus aller Welt, die vom Denken des Surrealismus beeinflusst wurden.

Iron Men: Harnische der europäischen Renaissance im Kunsthistorischen Museum Wien (ab 15.3.)

Sie sehen aus wie aus einem Sci-Fi-Film: Rüstungen, die vom späten 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert getragen wurden. Eine Ausstellung im Kunsthistorischen Museum zeigt Prachtstücke der Sammlung und Leihgaben aus dem Metropolitan Museum of Art in New York sowie der Real Armería in Madrid: Der Maskenhelm für Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach etwa wirkt wie ein Vogelkopf. Die Harnische sind Meisterwerke der Handwerkskunst, spannend, wie leicht das Material zu fallen scheint, wenn es Stoff imitiert und doch aus Metall ist. „Iron Men“ läuft vom 15.3. bis zum 26.6.

Helmut Newton Legacy im Bank Austria Kunstforum Wien (ab 19.10.)

Der Berliner Helmut Newton (1920-2004) fasziniert und provoziert bis heute mit seinen theatralischen Fotos, auf vielen sind nackte Frauen zu sehen, die selbstbewusst und aggressiv in die Kamera schauen und dadurch voyeuristische Klischees brechen. Zum 100. Geburtstag zeigt das Bank Austria Kunstforum eine Schau mit 300 Arbeiten, die Newtons Gesamtschaffen dokumentiert, von seinen Modefotografien über die Aktbilder bis zu selten gezeigten Werken, in denen das Verhältnis von Kunst und Kommerz ausgeleuchtet wird.

Monica Bonvicini in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (ab 28.10.)

Monica Bonvicini ist eine italienische Konzeptkünstlerin, die in Berlin lebt. In ihren Arbeiten geht es um das Zusammenspiel von Geschlechterrollen, Machtverhältnissen und Architektur. Sie möchte mit ihrer Kunst Gedanken anregen, die man sonst nicht gehabt hätte. Dabei beschäftigt sie sich auch viel mit Sprache, die sie humorvoll einsetzt. Die Neue Nationalgalerie in Berlin zeigt ab 28.10. eine umfassende Einzelausstellung der Künstlerin.

VALIE EXPORT in der Albertina Modern (ab 26.10.)

Mit ihren feministischen Arbeiten wurde die heimische Künstlerin VALIE EXPORT in den 1960er-Jahren berühmt. Eine ihrer bekanntesten Aktionen ist das Tapp- und Tastkino: Schaulustige wurden dazu aufgefordert, die nackten Brüste von EXPORT zu berühren. Die Künstlerin meinte dazu, im abgedunkelten Kinosaal sei der voyeuristische Blick auf Frauenkörper normal, in ihrer Straßenaktion würde man damit konfrontiert. Viele Arbeiten der Medien- und Performancekünstlerin VALIE EXPORT sind in Fotos dokumentiert. Ab den 1970er-Jahren hat sie unsere Wahrnehmungsweisen von Bildern und Massenmedien kritisch untersucht. Die Albertina Modern zeigt bisher selten ausgestellte Fotografien der Künstlerin.