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Filmstill Nr.3 (aus der Installation „Staub“)
© Mirjam Baker

12.10.2021

Eintauchen in Licht

Staub frisst sich in alle Ritzen, er ist nicht in den Griff zu bekommen. Die Künstlerin Mirjam Baker, 1985 in Melk geboren und mittlerweile in Köln lebend, weiß, wie sich das anfühlt. Wenn sie mit Pastellfarben zeichnet, ist sie voll mit Partikeln, die sich überall am Arbeitsplatz verteilen.

Staub nennt sich auch ihre Ausstellung im tresor im Bank Austria Kunstforum, die bis zum 21.11. zu sehen ist. Baker hat dafür ihre Pastellbilder zu einem Film animiert. Wie sie das macht, erklärt sie dir im Gespräch.

Du bist Filmemacherin, machst aber auch Ausstellungen. Wie bist du in diese doch sehr unterschiedlichen Welten gekommen?

Ja, wie konnte mir das nur passieren? Ich habe mit Animationsfilmen angefangen. Es gab ein Wahlfach an der Fachhochschule St. Pölten, das hieß Experimental Shortcuts, da bin ich auf den Geschmack gekommen, wollte unbedingt Filme und Musikvideos drehen. Ich habe dann in der Schweiz auch Puppentrick-Animation gelernt und mich am Royal College of Art in London beworben. Dort habe ich begonnen, abstrakter zu arbeiten. Es ging mir bei meinen Animationsfilmen mehr um ein Gefühl, weniger darum, eine Geschichte zu erzählen. Damals habe ich auch angefangen, sehr viel zu zeichnen und zu malen. Das war ein ganz neues Wissen, das ich mir da angeeignet habe.


Mirjam Baker © Mirjam Baker

Goya, Picasso – aber wo sind die Frauen?

Funktioniert bildende Kunst denn anders als Film?

Total, das sind andere Leute, da gibt es eine andere Sprache. Auch, worüber geredet wird, ist anders. Es gibt unterschiedliche Regeln, die ich erst lernen musste. Im Trickfilmbereich ist es viel einfacher, Fuß zu fassen. Ich habe von zu Hause keine Bildung in Sachen Kunst bekommen, wie viele, die später Malerei studieren. In der Schule hörte der Kunstunterricht bei Andy Warhol auf, vorher gab es noch Goya, Monet und Picasso. Frauen waren sowieso keine dabei. Es war also nicht so einfach, mich da einzureihen.

Wie ist deine Installation Staub entstanden, die im tresor des Bank Austria Kunstforums zu sehen ist?

Der Ursprung liegt in Pastellbildern auf Papier, die Farbe trage ich mit Schwämmen auf. Es braucht mehrere Schichten, damit die Farbe satt wird. Für den Film habe ich für jede Farbsequenz 15 Pastellbilder gemalt, sie digital abfotografiert und dann animiert, um eine Vibration zu erzeugen.

An den Wänden hängen deine Bilder, auf einer Leinwand flackert der Film. Wie unterscheiden sich die Medien für dich?

Ich kann mir ein Bild genau ansehen, Punkte darauf fixieren, schauen, welche Linien oder Flächen ich erkenne. Das kann ich beim Film nicht, weil sich das Bild ja ständig ändert. Ich muss mich auf das Gesamte einlassen. Film ist Licht, das Material ist ganz anders.

Filmstill Nr.8 (aus der Installation „Staub“) © Mirjam Baker

Filmstill Nr.1 (aus der Installation „Staub“) © Mirjam Baker

Wüstenstaub auf der Leinwand

Warum heißt die Ausstellung Staub?

Weil ich beim Arbeiten immer dieses Gefühl hatte, ich bin voll mit diesen kleinen Farbpartikeln. Die sind überall, kriechen in alles hinein. Ich kriege sie nicht mal mehr ordentlich weg von meiner Arbeitsfläche. Ich war umgeben von Staub. Wie im Film, wo man ja auch denkt, das könnte Wüstenstaub sein, der da aufgewirbelt wird. Man kann ganz viel assoziieren.

Und wie ist die Musik entstanden?

In Zusammenarbeit mit Carl Ludwig Hübsch und der Bassflötistin Angelika Sheridan. Sie erzeugt keine klassischen Töne, sondern ein Rauschen. Je nachdem, welche Klappen sie geöffnet oder geschlossen hat. Das soll die Wirkung der Bilder verstärken, einen Song erzeugen.