Hero pexels francesco paggiaro 2111015

Foto: Pexels, Francesco Paggiaro

05.07.2021

Endlich wieder tanzen!

Nadine Cobbina ist Expertin für Clubkultur und Radio-Journalistin (FM4). Über Social Media nimmt sie ihre Follower*innen in unterschiedliche Wiener Clubwelten mit, auch um zu zeigen, welche Utopien beim Ausgehen gelebt werden.

Nadine hat den Bank Austria Kultursommer Club, der vom 9. Juli bis zum 14. August bei der Donaustadtbrücke stattfinden wird, kuratiert. Sie erklärt dir ihr Konzept für die zwölf Themenabende. Aber auch, wie es der heimischen Szene nach Corona geht, ob Wien eine gute Party-Stadt ist und warum sie sich dafür starkmacht, dass Clubs als Kulturgut anerkannt werden.

Nadine Cobbina, Kuratorin des Bank Austria Kultursommer Club

Foto: Pexels, Everson Mayer

Corona hat die Clubs extrem hart getroffen. Sie mussten länger zusperren als andere Kultureinrichtungen. Gab es trotzdem auch positive Aspekte?

Durch Corona wurde mehr darüber geredet, was Clubs eigentlich sind, warum sie fehlen und was sie in der Gesellschaft bewegen. Clubs standen lange im Schatten der Hochkultur, doch jetzt versteht man mehr, dass sie auch utopische Räume sein können. Nur weil Rausch stattfindet, kann man Partys nicht auf den Rausch reduzieren. Es geht um ein Zugehörigkeitsgefühl, Clubs helfen auch bei der Integration. In Clubs kommen Menschen zusammen, die vielleicht dann ein Start-up gemeinsam gründen. Man kommt ins Gespräch, daraus entstehen Dinge. Aber auch die Musik und die Texte können Menschen weiterbringen. Deshalb setzen wir stark auf den Begriff Clubkultur.

IG Club Kultur: In Clubs entstehen neue Welten

Hast du deshalb auch die IG Club Kultur mitgegründet?

Ja, bei uns geht es auch viel um die Frage, was Clubkultur überhaupt ist. Da gibt es verschiedene Ansätze. Für mich ist es das Entstehen einer Welt. Auch einer Utopie, wie gesellschaftlich gemeinsam gelebt und gefeiert werden kann, in einem Rahmen, in dem es um Musik und Kunst geht. In Berlin werden Clubs bereits als Kulturstätten angesehen, das ist bei uns erst im Entstehen.

Foto: Pexels, Francesco Paggiaro

Ist Wien eine gute Clubkultur-Stadt?

Es ist auf jeden Fall eine gute Zeit. Es haben sich gerade in den letzten Jahren viele Communitys gegründet, die sich um ein diverses Stadtbild bemühen. Es gab zahlreiche Zwischennutzungsprojekte, neue Kollektive und Plattenlabels, freie Radios haben sich aus der Clubkultur entwickelt. Vieles, was in Berlin vielleicht schon vorbei ist, kommt bei uns gerade erst. Es machen neue Clubs auf, die oft von Kollektiven betrieben werden.

Der Kultursommer-Club bringt die Vibes der Stadt.

Du hast den Bank Austria Kultursommer-Club kuratiert. Was war dein Konzept?

Ich habe an zwölf Themenabenden versucht, den Party-Vibes, die es in Wien gibt, eine Bühne zu geben. Es ging mir darum, möglichst viele unterschiedliche Communitys einzubeziehen. Von Dub und Reggae über Trap und House bis hin zu Latin und Drum and Bass. Da ist wirklich viel dabei.

Wie, glaubst du, wird es im Herbst weitergehen?

Meine Einstellung ändert sich jede Woche. Man muss im Kaffeesud lesen, weil alles offen ist. Es gibt nach wie vor keine Planungssicherheit vonseiten der Regierung, die ja auch auf Ansteckungszahlen reagieren muss. Man weiß nicht, wie sich die Mutationen ausbreiten werden. Ich bin eher pessimistisch, dass ein normaler Zustand kommen wird. Ich glaube, den werden wir erst im Sommer 2022 erleben. Deshalb ist es wichtig, an Sicherheitskonzepten zu arbeiten. Es gab ja in Barcelona bereits Ende März ein Testkonzert mit 5.000 Teilnehmenden, mit leistungsfähiger Lüftungsanlage, Covid-Tests und Schutzmasken, das sehr gut funktioniert hat. Das ist ein Zeichen der Hoffnung.

Nadine Cobbina