Header Kultursommer Wien 2021 Strottern Haus Atzgersdorf c stadt wien marketing Gmb H Judith Stehlik 4

Foto: Stadt Wien Marketing

09.08.2021

Wir leben flott und lachen den Teufel aus!

Der Kultursommer Wien versorgt die ganze Stadt gratis mit Kunst. Auch in 25 Pensionist*innenwohnhäusern wird aufgespielt, allerdings sind die Garten- und Hofkonzerte den jeweiligen Bewohner*innen der „Häuser zum Leben“ vorbehalten.

Für das BAK-Magazin wurde eine Ausnahme gemacht: Wir waren bei einem Wienerlieder-Konzert im dritten Bezirk dabei – und sind begeistert. Die Stimmung war großartig, es wurde mitgewippt und mitgesungen. Vor allem die Publikumswünsche kamen extrem gut an.

Das Publikum im Strottern Haus Atzgersdorf.
Foto: Stadt Wien Marketing GmbH/Judith Stehlik

Veronika sitzt bereits beim Soundcheck im Publikum. Einen Almdudler hat sie auf ihrer Gehhilfe abgestellt: „Die Musik ist einmalig schön“, sagt die rüstige 69-jährige Bewohnerin des Pensionist*innen-Wohnhauses Maria Jacobi im dritten Bezirk: „Ich habe erst hier begonnen, Konzerte zu mögen.“ Ihre Freundin Rosa, die in der ersten Reihe direkt vor der Bühne Platz genommen hat, kann das nur bestätigen: „Ich werde mitsingen. Die Texte kann ich, weil ich viele Wienerlieder vom Heurigen kenne.“

Der Kultursommer Wien macht es möglich, dass ein bisschen Heurigenstimmung ins Altenheim einzieht. In 25 „Häusern zum Leben“, quer über die Stadt verteilt, finden sogenannte Garten- und Hofkonzerte statt, exklusiv für die jeweiligen Bewohner*innen. Um 14.30 Uhr geht es offiziell los, das Wienerlied Duo Stickler & Koschelu spielt sich schon vorher ein.

1.000 Wienerlieder im Kopf

„Im Publikum sitzen viele Kenner*innen, die haben auch oft ausgefallene Wünsche“, erzählen die beiden Musiker*innen. Zum Glück hat das erfahrene Duo ein riesiges Repertoire an Klassikern, das sie jederzeit abrufen können. Rund 1.000 Lieder hat Rudi Koschelu (Kontragitarre und Gesang), ein echtes Wienerlied-Urgestein, im Kopf. Mit der um einiges jüngeren Marie-Theres Stickler (Akkordeon und Gesang) finden zwei Generationen in ihrer Liebe zum Wienerlied zusammen.

Dudeln und pfeifen können die beiden natürlich auch. Meist spielen sie direkt an den Tischen bei den Heurigen, diesmal ist eine kleine Bühne improvisiert. Das Wetter hält, die Sonnenschirme sind im begrünten Innenhof aufgestellt. Die Stimmung ist ausgelassen, zur Abkühlung wird Hugo serviert. Und es gibt Schälchen mit Glasnudelsalat und Beef, wie sonst nur beim Nobelheurigen.

Wienerlieder im Haus Strottern
Foto: Stadt Wien Markeing GmbH/Judith Stehlik

Ein Klassiker: A Beserlpark in Hernals

Besonders gut kommt der Song „Heut’ war die alte Zeit bei mir“ an, der vom Publikum vorgeschlagen wird. Geschrieben wurde das Lied vom Ottakringer Musiker Richard Czapek. Was für ein Zufall: Die Dame, die sich den Song gewünscht hat, ist die Cousine des legendären Wienerlied-Komponisten ist, der unter anderem „A klaner Beserlpark da draußen in Hernals“ geschrieben hat. Nach dem Konzert ergibt sich noch ein Gespräch zwischen den Musiker*innen und der Verwandten.

Aber wir sind in Erdberg daheim!

Im dritten Bezirk darf man natürlich nicht nur von Hernals und Ottakring singen, wo viele berühmte Wienerlieder angesiedelt sind, wie etwa das berühmte „Hergott aus Sta“, ein von Karl Hodina geschriebener Klassiker, der die gute alte Zeit beschwört. Es zeigt sich nämlich, dass tatsächlich Expert*innen im Publikum sitzen. Der nächste Wunsch ist dementsprechend ausgefallen: „In Erdberg is a Gasserl“. Das Lied hat die schöne Zeile: Mir san von an geweihten Grund’ | leb’n flott, und schlägt die letzte Stund’ | drum lach’ ich selbst den Teufel aus’ | in Erdberg san ma z’haus!“

Beim Lied wird mitgeklatscht, danach herrscht tobender Applaus. Und selbst der ausgesuchte Wienerliedkenner Rudi Koschelu muss zugeben: „Ich glaub, das Lied hab' ich heute zum ersten Mal gespielt.“ Die 40 Minuten sind schnell vorüber. Veronika ruft „Zugabe“ und steckt die anderen mit ihrer Begeisterung an. Im letzten Lied wird gedudelt, was das Zeug hält.

Coole Sache, diese Konzerte in den Pensionist*innen-Wohnhäusern. In Sachen Stimmung und Euphorie können die Oldies mit ihren Enkel- und Urenkelkindern locker mithalten. Danke für die Einladung!