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KunstHausWien
Foto: Eva Kelety

04.10.2021

Kampf den Energiefressern!

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle angeht. Auch in den Museen erwacht gerade ein neues Bewusstsein dafür, etwas verändern und die natürlichen Ressourcen schonen zu müssen. Das ehrgeizige Ziel ist es, in Zukunft klimaneutral zu werden.

Bettina Leidl, Leiterin des Kunst Haus Wien, hat deshalb die Initiative 17 Museen 17 SDGs – Ziele für nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen. Im Zuge dieser entwickeln 17 Museen Konzepte für die Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (auf Englisch „Sustainable Development Goals“ (SDG)). Sie erklärt dir, was Museen konkret tun können, um umweltschonender zu agieren.

Bettina Leidl
Photo: Stefan Oláh

Warum ist Nachhaltigkeit für Museen wichtig?

In der Pandemie haben sich Museen, die geschlossen waren, zahlreiche Fragen gestellt: Wie relevant sind wir? Welchen Beitrag können wir für den Zusammenhalt einer Gesellschaft leisten? Welche inhaltlichen Diskussionen können wir anregen? Es gibt gerade sehr viele Künstler*innen, die sich mit gesellschaftspolitisch relevanten Fragen wie dem Verlust der Biodiversität oder dem Abschmelzen der Polkappen beschäftigen. Kunst kann komplexe Inhalte verständlich machen. Wer liest schon umfangreiche wissenschaftliche Studien? Gerade der emotionale Zugang, den die Kunst schafft, kann unsere Wahrnehmung schärfen und Perspektiven verändern.

Was bedeutet das für das Kunst Haus Wien?

Alle Institution müssen sich gerade fragen, wie nachhaltig sie sind. Beim Kunst Haus Wien ist der Bezug wahrscheinlich naheliegender, weil es von Friedensreich Hundertwasser gestaltet wurde. Er hat sich für Umweltschutz eingesetzt hat, forderte ein Leben im Einklang mit der Natur, hat sich immer eingemischt, wenn es um Kernenergie oder den Schutz des Regenwalds ging. In den 1970er-Jahren war dieses neue Bewusstsein Avantgarde, heute sind die Themen der Nachhaltigkeit und der gesellschaftlichen Verantwortung in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Was kann man als Museum konkret für die Nachhaltigkeit tun?

Das fängt bei ganz banalen Dingen an, dass wir chlorfreies Papier verwenden, Einladungen und Kataloge bei Firmen drucken lassen, die das Umweltsiegel haben und nachhaltig agieren. Bei der Restaurierung und Konservierung von Kunstwerken werden Giftstoffe verwendet. Wie werden diese fachgerecht entsorgt? Lagerung, Verpackung, Transport sind wichtige Felder. Aber es geht auch um die Frage, ob für jede Ausstellung eine neue Architektur entworfen werden muss, oder ob man Dinge wiederverwenden kann, anstatt sie wegzuwerfen.

Was verursacht die größten Umweltprobleme im Museum?

Klimaanlagen, Befeuchtungssysteme und das Licht in den Ausstellungsräumen sind die größten Energiefresser. Da braucht es weitreichende Konzepte und Investitionen, die Umstellung auf LED-Technik, eine effizientere Klimatechnik und eine Verbesserung der Bausubstanz. Wien möchte bis 2040 klimaneutral sein, diese ökologische Transformation ist für die Museen eine komplexe Herausforderung.

Sie haben die Initiative 17 Museen 17 SDGs – Ziele für nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen. Was ist das?

Das ist ein Pilotprojekt, das von ICOM Österreich, dem International Council of Museums, gemeinsam mit dem Kulturministerium initiiert wurde. Der Vorstand von ICOM Österreich hat 17 Museen eingeladen, sich mit den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen auseinanderzusetzen und damit dazu beizutragen, unsere Gesellschaft auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene zu verändern. 17 Museen in ganz Österreich – von ganz kleinen bis zu den Bundesmuseen – wurden nominiert, sie fungieren als role models. Den Museen wurde per Los ein Sustainable Development Goal (SDG) zugeordnet, nun arbeiten sie an den Konzepten. Das kann von Ladestationen für Elektrofahrzeuge über einen nachhaltigeren Shop bis zur Neuaufstellung der Sammlung gehen.

KunstHausWien
Foto: Eva Kelety