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Artifacts of the Future, Ausstellung bei Collectors Agenda am Franz-Josefs-Kai 3 mit Peter Jellitsch, 2020
Foto: Leonhard Hilzensauer

13.12.2021

Kunst für dich!

Themen

Wie starte ich eine Kunstsammlung? Soll ich auf Trends achten? Muss ich mich spezialisieren? Florian Langhammer ist Mitbegründer und Editor in Chief von Collectors Agenda, einer internationalen Plattform, die Kunsteditionen herausgibt, aber auch ein Printmagazin, für das Kunstschaffende in ihren Studios besucht werden.

Florian Langhammer ist Profi, wenn es um das Sammeln und Vermitteln von Kunst geht. Er erklärt dir in fünf Schritten, was du beachten musst.

Schritt 1: Wie wähle ich aus?

Es ist schwer, sich vor dem Kauf des ersten Kunstwerks gleich ein Konzept zu überlegen. So etwas muss mit der Zeit reifen. Schau einfach, was dich persönlich anspricht. Das muss nicht visuell sein, sondern kann auch konzeptuell sein, dass man den Gedanken gut findet, der dahintersteckt. Oder, dass man die Künstler*innen persönlich kennengelernt hat.

Schritt 2: Sind Trends wichtig?

Es führt zu nichts, wenn du dein erstes Kunstwerk danach kaufst, ob es im Wert steigen wird. Von Künstler*innen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und deren Kunstwerke noch leistbar sind, weiß kein Mensch, welche Karrieren sie machen werden. Wenn ich Werke von etablierten Kunstschaffenden kaufe, habe ich eine gewisse Sicherheit: Eine kleine Edition von Gerhard Richter wird wahrscheinlich im Wert zulegen. Dafür muss ich von vornherein aber auch einiges mehr hinblättern. Ich finde, eine kühle Kalkulation ist kein guter Einstieg für angehende Sammler*innen, die mit Kunst leben möchten.

Schritt 3: Direkten Kontakt suchen!

Wer sich in der Szene nicht auskennt, hat meistens Schwellenangst, Künstler*innen anzusprechen. Diese Angst gilt es zu überwinden. Künstler*innen sind auch nur Menschen, du brauchst kein großes Vorwissen, um mit ihnen zu reden. Bei Collectors Agenda wollen wir Kunstschaffende nicht als Genies auf einem hohen Sockel sehen. Für uns sind Künstler*innen Menschen mit einem besonderen Blick auf die Welt, von dem wir profitieren können. Und wir finden: Es ist ein schönes, lohnendes Erlebnis, mit der Person, die hinter der Kunst steht, in Kontakt zu treten. Auf Vernissagen kannst du Galerist*innen bitten, dich vorzustellen. Festivals wie die Vienna Art Week bieten Studiobesuche an.


Schritt 4: Wo finde ich Kunst, die ich mir leisten kann?

Es ist immer schön, Kunst von jemandem aus der eigenen Generation zu sammeln und dann die Entwicklung zu verfolgen. Wenn jemand später einen ersten Preis bekommt, kannst du stolz sein, weil du von der ersten Stunde an dabei warst. Rundgänge an Akademien, wo Studierende ihre Arbeiten vorstellen, sind ideal: Die Kunstwerke sind in der Regel sehr günstig, man sieht viel, und die Künstler*innen sind selbst jung, es ist also einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Aber auch Editionen sind ein guter Einstieg. Das sind Originale, die signiert sind, aber sie haben eine bestimmte Auflage. Weil es sie mehrfach gibt, sind sie günstiger. Bei großen Unikaten stößt man allein vom Platz her schnell an seine Grenzen, aber auch vom Budget. Vielleicht kristallisiert sich dann ja auch langsam ein Thema heraus. Das muss nicht öffentlichkeitsfähig sein, deine Sammlung ist ja keine kuratierte Guggenheim-Ausstellung. Aber für dich sollte es Sinn machen, und vielleicht kannst du dann ja auch anderen vermitteln, worum es dir geht.

Schritt 5: Was mache ich mit Kunst, die mir nicht mehr gefällt?

Sammeln ist ein Lernprozess. Du entwickelst mit der Zeit ein schärferes Auge. Theoretisch kannst du eine Arbeit an die Galerie zurückgeben, die eine*n Künstler*in vertritt. Das sollte aber möglichst diskret passieren. Vielleicht nimmt die Galerie die Arbeit auch in Kommission, und du bekommst das Geld, wenn sie verkauft wurde. Sicher ist aber nie, ob du Kunst auch wieder verkaufen kannst und zu welchem Preis. Kunst ist keine Aktie, die ich jederzeit abstoßen kann am anonymen Aktienmarkt.