Kunstforum spoerri 2376

Daniel Spoerri - Bank Austria Kunstforum

14.06.2021

Es ist angerichtet!

Am 19. Juni führt der Wiener Spitzenkoch Lukas Mraz durch die Ausstellung von Daniel Spoerri im Kunstforum. Was Kochen und Kunst miteinander zu tun haben, und welchen Wein Spoerri getrunken hat, kannst du aber auch hier schon im Vorfeld lesen.

Lukas erzählt dir, was er an Spoerri cool findet. Und warum er sich selbst nicht als Künstler, sondern als Handwerker sieht.

Ich bin eher zufällig auf die Kunst von Daniel Spoerri gestoßen. Vor vielen Jahren gab es eine Ausstellung im Kunsthistorischen Museum. Eine Freundin hat mir begeistert davon erzählt. Ich hatte damals noch nicht viel mit Kunst am Hut, fand es aber sehr spannend, dass Spoerri bereits in den 1960er-Jahren Essen und Kunst vereint hat. Das haben ja ohnehin nur wenige geschafft. Ich finde sowieso, dass sich mittlerweile mehr Köch*innen für Kunst interessieren als umgekehrt Kunstschaffende fürs Essen.

Spitzenkoch Lukas Mraz Foto: Lisa Edi

Das Restaurant Mraz & Sohn Foto: Lisa Edi

Mir hat einmal jemand, der in den 1970er-Jahren studiert hat, erzählt, dass Künstler*innen damals gern gekocht haben. Vorreiter war wohl der Filmemacher Peter Kubelka, der auch theoretisch viel über Essen geschrieben hat. Früher gab es den Spruch: „Ein Künstler, der nicht gut kochen kann, der kann auch keine gute Kunst machen.“ Das hat sich komplett verändert, was ich schade finde.

Keine billigen Weine!

Die Fallenbilder von Spoerri halten fest, was nach einem Essen am Tisch übrig bleibt. Die schmutzigen Teller und geleerten Flaschen. Die riesigen Aschenbecher. Ich erinnere mich noch, dass im Lokal meines Vaters auch lange geraucht wurde.

Einblick ins Restaurant Mraz & Sohn Foto: Lisa Edi

Die Bilder von Spoerri sind natürlich sehr lukullisch. Da werden erlesene Weine getrunken, das sind keine billigen Produkte, das erkenne ich an den Labels der leeren Flaschen. Bei Spoerri sieht man, damals hat man es sich recht gut gehen lassen. Essen und Trinken war mit Qualität verbunden, was ich ja auch verkörpern möchte in meinem Restaurant Mraz & Sohn im 20. Bezirk.

Ich habe viele Freund*innen, die Künstler*innen sind, geh gern in Ausstellungen, lass’ mich viel inspirieren. Während des Lockdowns habe ich mit der Künstlerin Anna Paul am Wiener Naschmarkt essbare Kunst verkauft. Wir haben Salami-Skulpturen gemacht aus den besten Zutaten. Sicher ist Essen zu einem gewissen Teil auch Kunst, aber es ist auch sehr, sehr viel Handwerk dabei. Ich sehe mich deshalb nicht als Künstler. Bei gutem Essen geht es um Verantwortung. Essen hat in meinen Augen extrem viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Ich habe kein Verständnis fürs Verschwenden von Lebensmitteln. Weder in der Kunst noch beim Kochen.

Die Healthy Boy Band mit Felix Schellhorn, Lukas Mraz und Philip Rachinger Foto: Lisa Edi

Eine Boyband, die kocht

Ich betreibe mit Felix Schellhorn und Philip Rachinger die Healthy Boy Band, ein künstlerisches Projekt, das die Nobelkochszene mit anarchischem Humor aufmischen möchte. In Luzern machen wir jetzt eine Ausstellung in einem Off-Space. Wir sagen immer: Wir kreieren Atmosphäre. Das ist auch bei den Fallenbildern von Spoerri so: In jedem Restaurant, in jeder Küche ist eine spezielle Atmosphäre, die sich natürlich auch am Tisch widerspiegelt.

In der Kunst kann man freier sein, mehr Fehler machen. Deshalb haben wir die Healthy Boy Band gegründet. Im Restaurant gibt es viele No-Gos und Erwartungen. Die Gäste zahlen viel, das Essen muss schmecken, da ist man viel limitierter. Zum Glück hat mein Vater schon immer gemacht, worauf er Lust hatte. Das ist natürlich eine Charaktersache, aber bei Mraz & Sohn experimentieren wir gern.

Wir nehmen uns diesen Freiraum. Was ich in der Kunst ausprobiere, landet dann irgendwann wieder bei uns im Restaurant.