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Foto: Astrid Aschenbrenner

23.08.2021

„Wer definiert überhaupt, was lustig ist?“

Astrid Aschenbrenner ist eine spannende junge Kabarettistin. Auf der Bühne nennt sie sich wienerkind, auch, weil sie der berühmte Wiener Schmäh und der Dialekt geprägt haben. Als Kind hatte sie Hans Moser als Vorbild – und gar nicht gemerkt, wie wenig lustige Frauen es im Fernsehen und auf der Bühne gibt.

Nun tritt sie an, diesbezügliche Vorurteile abzubauen. „Klar gibt es unlustige Frauen, aber es gibt auch unlustige Männer“, sagt sie. „Humor hat mit dem Geschlecht gar nicht zu tun.“

Astrid Aschenbrenner
Foto: Astrid Aschenbrenner

Du nennst dich als Kabarettistin wienerkind. Wie wichtig ist Wiener Humor für dich?

Wiener Schmäh ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Mir gefällt die Sprache an sich, diese Dialektausdrücke wie einen Bahö machen oder verwordagelt, was so viel wie verdreht bedeutet. Ich versuche, solche Wendungen und Wörter auch im Alltag und in meine Programme einfließen zu lassen. Ich bin in Wien aufgewachsen, mich hat diese Stadt sehr geprägt, auch ihr böser Humor. Als Kind habe ich mit meinen Eltern viele Filme von Hans Moser geschaut, ich war ein großer Fan von ihm.

Neben Hans Moser nennst du den US-Filmkomiker Jerry Lewis und später dann den Wiener Kabarettisten Josef Hader als Vorbilder. Ist dir schon damals aufgefallen, dass kaum Frauen dabei waren?

Frauen wurden in alten Filmen eher in lieblichen Rollen gesehen. Als Kind und Jugendliche habe ich das gar nicht hinterfragt. Erst als ich selbst begonnen habe, Schauspiel zu studieren und unbedingt Komödie spielen wollte, habe ich schnell gemerkt, wie wenig lustige Stücke es für Frauen gibt. Weil wir keine gefunden haben, habe ich gemeinsam mit Patrizia Wunderl selbst ein Kabarettprogramm geschrieben.

Humor ist individuell

Frauen sind im Kabarettbereich nach wie vor in der Minderzahl. Warum eigentlich?

Es gibt nicht so viele Plattformen wie für Männer. Und es herrscht noch immer das Klischee: Frauen sind leider nicht lustig. Das stand kürzlich als Kommentar unter einem Video von mir auf Instagram.

Absurd, viele Männer sind ja auch nicht lustig. Aber werden trotzdem nicht absolut gesetzt und müssen für ihre gesamtes Geschlecht herhalten.

Klar gibt es unlustige Frauen, aber es gibt auch unlustige Männer. Wer definiert überhaupt, was lustig ist? Humor ist total individuell. Und hat mit dem Geschlecht gar nicht zu tun, zumindest in meinen Augen. Frauen haben in der Kabarettszene sicher nicht die gleichen Chancen wie die Männer. Da ist eine große Lücke zu füllen.

Frauen wollen auch hässlich sein dürfen

Haben Frauen andere Themen in ihren Programmen?

Das kann man nicht verallgemeinern. Der deutsche Komiker Mario Barth konzentriert sich seit 15 Jahren auf die Dynamik zwischen Mann und Frau. Seine Programme setzen auf stereotypische Geschlechterverhältnisse. Und das findet niemand platt. Wenn das eine Frau machen würde, wäre es verpönt. Und es würde auch nicht so erfolgreich sein.

Woran liegt das?

Frauen werden in Rollen gedrängt. Es wird ihnen nicht zugetraut, so viel Schmäh zu haben. Man versteht nicht, warum sie sich hässlich zeigen wollen und Kraftausdrücke verwenden. Viele Zuschauer*innen können nicht so gut einordnen, was Frauen da genau machen. Warum sie selbstironisch sind.

Foto: Astrid Aschenbrenner

Wuchteln kommen von allein

Humor steht gerade ohnehin auf dem Prüfstand. Über wen soll und darf man sich lustig machen? Ist es okay, Minderheiten zu diskreditieren? Oder sollte Humor nach oben treten, sich mit den Mächtigen anlegen? Wie siehst du das?

Meine Hauptmotivation Kabarett zu machen, war, Gesellschaftskritik ausüben zu können. Die funktioniert meiner Meinung nach hauptsächlich nach oben. Ich möchte auf der Bühne keinesfalls mit dem Finger auf andere zeigen. Kabarett ist eine Plattform, auf der man über die Schiene des Humors Gesellschaftskritik verdaulich ans Publikum bringen kann. Und so vielleicht etwas zum Besseren zu verändern.

Wird von dir als Kabarettistin auch erwartet, dass du privat lustig bist?

Ich bin generell ein humorvoller Mensch, der gern lacht, aber kann Job und privat ganz gut trennen. Ich mache mir keinen Druck, Wuchteln zu schieben. Der Schmäh muss von allein kommen.