Hero shutterstock 142336711

27.04.2021

7 Dinge, die junge Künstler*innen über Crowdfunding wissen sollten.

Anne Eck ist Songwriterin und betreibt ein Musiklabel, bei dem nur Frauen erscheinen.

Ihr erstes Album hat sie durch Crowdfunding realisiert. Sie erklärt dir, wie du erfolgreich eine Kampagne startest.

1. Wie weiß ich, ob mein Projekt überhaupt für Crowdfunding infrage kommt?

Das klingt vielleicht hart, aber es sollte kein Ego-Projekt sein, sondern einen gesellschaftlichen Mehrwert haben. Das kann ein Kochbuch, ein Album oder die Produktion von Blusen aus Fair-Trade-Baumwolle sein. Crowdfunding kommt ursprünglich aus der amerikanischen Musikszene, da haben junge Musiker*innen gesagt: Glaubt an mich, unterstützt mich, und dann bekommt ihr mein Album. Bei Crowdfunding geht es aber nicht nur um Geld, es ist auch ein tolles Marketingtool, um dich sichtbar zu machen.

Foto: Julia Grevenkamp

2. Was kann man den Menschen, die einen unterstützen, als Belohnung anbieten?

Es muss nicht immer etwas Großes sein und auch nicht direkt mit der Kampagne zu tun haben. Je ausgefallener, lustiger, persönlicher, desto besser kommt es an. Klar, im Bereich Musik soll das Album dann auch zu kaufen sein. Aber sonst geht es eher darum, etwas Originelles zu machen. Ich habe bei meiner Kampagne angeboten, bei einem Fest als DJ aufzulegen. Eine Freundin hatte einen riesigen Fundus an Vintage-Klamotten, die ich einer bestimmten Anzahl an Käufer*innen als Überraschung zur CD beigelegt habe. Ich habe aber auch von einem Künstler gehört, der fünf Telefonate mit seiner Mutter angeboten hat.

3. Kann ich mir von anderen Crowdfunding-Kampagnen etwas abschauen?

Auf jeden Fall, man muss das Rad nicht neu erfinden. Auf www.wemakeit.com findest du ganz viele Projekte. Am besten, du scrollst dich durch und schaust: Was spricht mich an?

4. Wie viel muss ich dabei von mir selbst preisgeben?

Du solltest schon eine persönliche Geschichte erzählen. Du möchtest dich ja über dieses Projekt zeigen, man sollte spüren, wer dahintersteht.

5. Wie weiß ich, an welche Crowd ich mich wenden soll?

Es beginnt fast immer mit der eigenen Familie, Freund*innen, Bekannten, Kolleg*innen sind dann die ersten Multiplikator*innen. Natürlich hilft es, wenn man bereits eine Fangemeinde hat und einige Follower*innen in den Sozialen Medien. Aber das ist nicht die Grundvoraussetzung. Ich hatte damals 300 Follower*innen, was nicht wahnsinnig viel ist, und dennoch hat es funktioniert.

Foto: Pamela Russmann

Foto: Pamela Russmann

6. Welche Beträge sind realistisch? Und wie lange dauert eine Kampagne?

Ich habe immer die Regel: Nimm den Betrag, der zwischen deiner untersten Grenze liegt und dem, was dir überhöht vorkommt. Davor steht natürlich eine Kalkulation: Wie hoch sind die Produktionskosten? Was gebe ich für die Goodies aus? Was nimmt die Plattform an Spesen? Ich finde 30 Tage ideal für eine Kampagne, auch, um die Energie zu halten, ständig zu kommunizieren. Wenn der Betrag nicht erfüllt wird, gibt es nämlich keinen Cent. Deshalb musst du gegen Ende noch einmal richtig gut motivieren.

7. Hast du noch einen persönlichen Tipp?

Investier in ein gutes Video über dich, das nicht länger als eineinhalb Minuten dauern sollte. Worte können das einfach nicht ersetzen.