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29.04.2021

5 Fragen an den jungen Meistergeiger Daniel Auner

Daniel Auner ist ein junger Meistergeiger aus Wien. Er erzählt dir, warum er als Kind freiwillig geübt hat, was an Mozart cool ist, und warum du keine Angst haben solltest, Fehler zu machen.

„Wir sind keine Roboter!“

5 Fragen an den Geiger Daniel Auner

Foto: Damián Posse

1. Wie bist du zum Geigenspielen gekommen?

Ich bin als Kleinkind bereits unter dem Klavier meiner Mutter eingeschlafen. Und habe ständig auf einem Cello herumgesägt, bis es nicht mehr auszuhalten war. Eigentlich war ich zu klein für dieses Instrument, deshalb wurde eine Bratsche umgebaut, die hat unten einen Stachel bekommen. Als ich bei meinen Eltern, die beide Musik machen, dann zum ersten Mal eine Geige gesehen habe, war ich extrem begeistert. Und wollte unbedingt auch eine. Zuerst habe ich mein Cello wie eine Geige gehalten. Mit dem Stachel am Hals war das natürlich gefährlich. Dadurch konnte ich leicht durchsetzen, dass mir meine Eltern eine echte Geige kauften.

2. Du hast bereits mit fünf Jahren gespielt. Ist das nicht anstrengend, wenn man schon als Kind ständig üben muss?

Das fragen mich viele Menschen. Dabei vergisst man aber, dass man Kinder prinzipiell schwer zu etwas zwingen kann. Meine Eltern waren nie streng, es hat mir einfach Spaß gemacht. Ich bin halt zwei Stunden später zum Fußballspielen gekommen, aber im Grunde war es keine großartige Einschränkung meiner Jugend. Wenn man mit anderen Kindern musiziert, dann findet man Freunde, die das ganze Leben bleiben. Das kann die Musik nämlich gut, Menschen verbinden.

Das Auner Quartett im Bank Austria Salon.

3. Du bist ein großer Fan von Wolfgang Amadeus Mozart. Warum?

Meine Eltern haben immer erzählt, dass ich schon als kleines Kind in der Sandkiste im Prater die Violinkonzerte von Mozart gesungen habe. Obwohl ich nicht einmal Noten lesen konnte. Ich habe mir diese Stücke schnell merken können. Mozart übt eine unglaubliche Faszination auf mich aus, weil er einen sehr direkten Zugang zu einer Musik hat, die sehr emotional wirkt. Seine Ideen sind für jede und jeden verständlich. Deshalb hat er eine unglaubliche Magie, auch für Menschen, die vielleicht nicht so viel mit Klassik zu tun haben. Mozart ist einfach schön.

4. Bist du vor Auftritten noch immer nervös?

Wenn man sich auf ein Konzert ausgiebig vorbereitet, dann bekommt man die Nervosität mit der Zeit gut in den Griff. Wir sind keine Roboter. Wir können auch Fehler machen, ohne dass das Publikum aufsteht und Tomaten wirft. Man ist eher nervös, weil man gut spielen möchte. Aber man muss akzeptieren, dass man immer kleine Fehler macht. Was aber den Eindruck, den die Zuschauenden haben, nicht unbedingt mindert. Es ist wichtiger, mit Überzeugung zu spielen, als nur darauf zu achten, möglichst perfekt zu sein. Beethoven hat gesagt, ein falscher Ton, der mit Überzeugung gespielt wird, ist für ihn kein Fehler, sondern eine Interpretation.

5. Du bist schon öfter im Bank Austria Salon aufgetreten. Was magst du an diesem Ort?

Ich finde diese Nähe zwischen Publikum und Kunstschaffenden besonders schön. Man kann in der Pause und vor und nach dem Konzert wirklich einzeln mit den Gästen Gespräche führen. Ein Glas Wein trinken und dabei einen persönlichen Kontakt aufbauen. Durch die Salongröße hat man als Zuhörer*in das Gefühl, dass man mitten im Klang ist. Das ist in der Kammermusik sehr wichtig: Man kann in der Musik baden. Dafür braucht es eine perfekte Akustik, um sich ganz gehen zu lassen.