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Fresken Bank Austria Salon, Foto: Oreste Schaller

16.11.2021

An die Decke gehen

Themen

Hast du im Bank Austria Salon im Alten Rathaus schon einmal an den Plafond geschaut? Der Blick nach oben zu den tollen Fresken lohnt sich. Sie strahlen so hell, weil sie vor Kurzem restauriert wurden.

Klaus Wedenig ist Experte für die Konservierung und Restaurierung von historischen Denkmälern und Wandmalereien. Er erklärt dir, wie er im Fall des Bank Austria Salons vorgegangen ist. Aber auch, welche Eigenschaften du mitbringen musst, um überhaupt als Restaurator*in arbeiten zu können.

Plafond Bank Austria Salon, Foto: Oreste Schaller

Klaus Wedenig, Foto: Denkmalpflege GmbH

Wie gehen Sie vor, wenn Sie engagiert werden, Deckengemälde oder Fresken zu restaurieren?

Am Beginn steht immer die Analyse. Was für eine Malerei habe ich vor mir? Was für einen Untergrund? Und was für Schäden? Dann wird ein Gerüst aufgebaut, wir untersuchen alles und fotografieren. Ist nicht mit freiem Auge ersichtlich, um welchen Farbauftrag es sich handelt, entnehmen wir kleine Proben, die dann im Labor untersucht werden. Vieles erkennt man aber auch sofort. Ein Fresko zum Beispiel ist ein Bild, das auf den noch feuchten Putz gemalt wurde. Es ist leichter zu restaurieren, weil die Farbe in den Putz eindringt. Ölfarben hingegen können abblättern und sind weniger lang haltbar.

Was war im Bank Austria Salon an den Fresken alles zu tun?

Eigentlich nur Sicherungsmaßnahmen. Es gab Risse, die hätten dazu führen können, dass Putzteile von der Decke herunterfallen. Das wäre bei einem Konzert sehr unangenehm gewesen. Der Bank Austria Salon hat eine tragende Decke aus Holz, auf die im Barock Schilfmatten aufgenagelt worden sind. Die Gemälde darauf sind um 1700 entstanden. Wir haben sie gereinigt und ein paar Retuschen angebracht.

Bank Austria Salon, Foto: Oreste Schaller

Fresko Bank Austria Salon, Foto: Oreste Schaller

Die Aufgabe von Restaurator*innen: So wenig wie möglich verändern

Was sind Retuschen?

Auf vielen Bildern sind Stellen abgeblättert, da scheint eine weiße Fläche durch. Um diese zu schließen, werden ganz kleine Striche gemacht, das ist eine Technik aus Italien. Die Fläche wird also nicht vollständig ausgemalt. Aus der Entfernung sieht man das gar nicht, nur aus der Nähe.

Warum das?

Sonst würde man das Kunstwerk ja verändern, es wäre nicht mehr ersichtlich, was neu gemacht wurde. Für Expert*innen ist es aber wichtig, zu erkennen, an welchen Stellen restauriert worden ist. Früher hat man viel übermalt, Kunstwerke, die öfter restauriert wurden, haben sich dadurch immens verändert. Für uns ist es heute mühsam, das wieder zu entfernen, chemisch oder mit Lösungsmitteln.

Fresko Bank Austria Salon, Foto: Oreste Schaller

Plafond Bank Austria Salon, Foto: Oreste Schaller

Berufsgefahr: Genickstarre

Welche Ausbildung braucht man für die Tätigkeit?

Es gibt das Studium Restaurator*in, bei dem man viel historisches Kunstwissen lernt und Techniken, wie früher gemalt wurde. Mindestens genauso wichtig für die Aufgaben von Restaurator*innen aber ist, dass man schwindelfrei ist. Wenn sich jemand bei mir für ein Praktikum bewirbt, ist das meine erste Frage. Wir arbeiten auf hohen Gerüsten, wenig am Boden. Da kann ich mich nicht festhalten, sondern brauche beide Hände zum Malen. Zugleich ist es eine körperlich anstrengende Tätigkeit, Genick, Bandscheiben, Wirbelsäule sind sehr belastet. Auch das sollte man wissen. Bei uns gibt es eine Aufteilung: Meist machen Männer die gröberen Geschichten, während die Frauen sich um die Retuschen kümmern. Die haben meist mehr Geduld.