Hero Achse Bild1

Cover Esma Ahmedi (Esma Ahmedi), Foto: Achse Verlag

09.11.2021

Schwule Störche

Kinderbücher sind oft langweilig didaktisch und unterschätzen die intellektuelle Fähigkeit des Nachwuchses. Der Wiener Achse Verlag möchte das ändern und bringt Bilderbücher heraus, die aktuelle Diskurse verständlich aufbereiten.

Ein weiteres Standbein ist die Förderung von jungen Autorinnen. Im Bank Austria Salon gibt es dazu nun eine Lesereihe, die regelmäßig spannende Projekte vorstellt. Teresa Mossbauer vom Achse Verlag erklärt dir, worum es da geht und was du auf keinen Fall versäumen solltest.

Einen Verlag zu gründen, ist ein Wagnis. Welche Nische habt ihr gefunden?

Unser Verlag entsprang eigentlich aus einem Kunstprojekt heraus und wurde 2017 gegründet. Wir schauen darauf, dass wir viele Autorinnen im Programm haben. Ein feministischer Background ist uns wichtig, und seit einem Jahr spezialisieren wir uns stark auf Bilderbücher für Kinder.

Hast du konkrete Beispiele?

Im Vorjahr hatten wir einen sehr erfolgreichen Titel: „Lina, die Entdeckerin“ ist ein Bilderbuch über die Vulva. Die kleine Lina macht sich da auf eine Entdeckungsreise in ihren Körper – abseits von Unsicherheiten und Tabus.

Cover Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum (Lena Johanna Hödl), Foto: Achse Verlag

Botschaften ganz ohne Zeigefinger

Ihr wollt Kindern aktuelle Diskurse näherbringen?

Wir wollen zeitgenössische Kinderliteratur schaffen, die einen gesellschaftlichen Anspruch hat. Uns ist ein unaufgeregter Zugang wichtig, dass wir ohne erhobenen Zeigefinger Botschaften vermitteln. Demnächst erscheint ein Buch über ein schwules Storchenpaar, welches im Zoo ein Kind großzieht. „Papa Storch“ ist angelehnt an eine wahre Geschichte über zwei schwule Pinguine, die ein Ei adoptiert haben. Das Bilderbuch von Paloma Schreiber thematisiert homosexuelle Elternschaft und Adoption auf eine sehr kindgerechte Weise. Die Autorin hat auch biologische Hintergrundfacts über Vögel und ihr Brutverhalten eingepackt. Und das Aufklärungsbuch „Erbsenklein Melonengroß“ legt besonderen Wert auf Gendersensibilität.

Ein weiterer Schwerpunkt ist Literatur von Frauen. Warum ist euch das ein Anliegen?

Im Literaturbetrieb ist es nach wie vor so, dass mehr Männer Preise gewinnen, öffentlich häufiger auftreten, und auch höhere Vorschüsse bei namhaften Verlagen für ihre Bücher bekommen. Unser Anliegen ist es, Autorinnen einen Ort zu geben, wo sie sich präsentieren und ausprobieren können, um vielleicht auch Neues zu schaffen.

Wie findet ihr spannende junge Autorinnen?

Unterschiedlich. Meist über persönliche Kontakte, aber wir freuen uns auch immer über Zusendungen von Texten.

Eine Biografie anhand von Liebschaften

Ihr habt eine Schiene mit Lesungen im Bank Austria Salon. Was steht demnächst auf dem Programm?

Wir haben diese Lesereihe ins Leben gerufen, um Frauen, die sich literarisch betätigen, ins Rampenlicht zu rücken. Am 15. November treten die beiden Autorinnen Lena Johanna Hödl und Esma Ahmedi auf. Lena ist ehemalige Slam-Poetin, sie ist eine tolle Performerin auf der Bühne. Ihr Buch „Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum“ ist 2020 bei uns erschienen und läuft bereits in der 3. Auflage. Es ist eine Art Biografie anhand ihrer Liebschaften. Esma ist eine sehr junge Autorin, die ebenfalls aus der Poetry Slam Szene kommt. Sie schreibt experimentelle Kurzlyrik, die melancholisch und cool ist, es geht um Geschmack, Farbe und andere Sinneseindrücke.

Im Dezember gibt es einen weiteren Termin. Kannst du da schon was verraten?

Am 21. Dezember präsentieren die Autorin Lisa Bolyos und die Fotografin Carolina Frank ihr Buch „Mich hat nicht gewundert, dass sie auf Mädchen steht“. Das sind 18 Porträts von Eltern, die queere Kinder haben. Wie geht es Eltern, wenn ihre Kinder ihnen sagen, dass sie homosexuell, trans, inter oder nonbinär sind?