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Future Art Lab der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Foto: Hertha Hurnaus

13.09.2021

Wie verbeuge ich mich richtig?

Im Bank Austria Salon treten regelmäßig die besten Pianist*innen der Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw) auf, auch um erstmals Bühnenluft zu schnuppern. Als angehende*r Künstler*in reicht es nämlich nicht, einfach nur großartig zu spielen. Man muss auch sein Lampenfieber in den Griff bekommen und lernen, sein Publikum zu begrüßen.

Ulrike Sych ist Rektorin der mdw. Im Gespräch erklärt sie, warum professionelle Auftrittsmöglichkeiten bereits im Studium wichtig sind, und welche neuen Tools Kunstschaffende brauchen, um Karriere zu machen.

Ulrike Sych, Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Foto: Inge Prader

Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Universität kein Elfenbeinturm ist?

Ich denke, es ist zentral, so früh wie möglich Praxiserfahrungen zu sammeln. Auch um zu wissen: Wie fühle ich mich, wenn ich vor Publikum spiele? Wie gehe ich mit meinem Lampenfieber um? Oder wie verbeuge ich mich richtig? Zusätzlich zum fachlichen Können sind das praktische Tools, die Künstler*innen später brauchen werden. Deshalb freue ich mich besonders, dass wir eine Kooperation mit dem Bank Austria Salon haben, wo unsere Studierenden ihr Repertoire vor einem interessierten Publikum präsentieren können.

Was bringt es Zuhörenden, wenn sie Studierende erleben?

Die mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien hat einen bildungspolitischen Auftrag. Wir zählen auch zu den größten Veranstaltern in Österreich. Uns ist wichtig, dass Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten Zugang zu unserer Kunst haben. Jeder hat bei unseren kostenlosen Konzerten die Chance, die weltbesten Studierenden zu erleben. Sie sehen und hören die Stars von morgen.

Foto: Herta Hurnaus

Foto: Herta Hurnaus

Man kann also später damit behaupten, Künstler*innen schon gekannt zu haben, bevor sie berühmt wurden?

Genau. Viele Weltstars haben bei uns begonnen, von Kirill Petrenko, Andrés Orozco-Estrada, über Heinrich Schiff und Rudolf Buchbinder bis hin zu Emmanuel Tjeknavorian, Khatia Buniatishvili oder Jessica Hausner. Wir haben auch ein Studienprogramm für hochbegabte Kinder und Jugendliche. Das letzte Konzert im Bank Austria Salon war fantastisch. Wenn man die Augen geschlossen hat, wäre man nie auf die Idee gekommen, dass da ein Kind am Klavier sitzt.

Was finden Sie am Bank Austria Salon im Alten Rathaus interessant?

Der Fazioli-Flügel ist etwas Besonderes, die Marke zählt wie etwa Steinway und Bösendorfer zu den weltbesten Klaviermarken. Wir sind bemüht, unseren Studierenden die besten Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Gerade bei Pianist*innen ist es wichtig, dass sie ein erstklassiges Klavier zur Verfügung haben.

Sind Sie manchmal überrascht, wie professionell Ihre Studierenden auf der Bühne sind?

Überrascht nicht, aber wahnsinnig stolz, dass sie so tolle Leistungen bringen. Das gibt mir auch Kraft für meine Arbeit. Das Niveau ist bei uns sehr hoch, jede*r muss durch die Zulassungsprüfungen eigentlich einen internationalen Wettbewerb bestehen, um aufgenommen zu werden. Gerade die Pandemie stellte die Kunstausbildung vor gravierende Herausforderungen. Denn wir hatten weniger Möglichkeiten, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten. Umso mehr freut es mich, dass unsere Studierenden trotz der Lockdowns, trotz des digitalen Unterrichts, die Qualität halten konnten, dass sie konsequent weitergeübt haben.

Future Art Lab der mdw
Foto: Herta Hurnaus

Müssen Musiker*innen heute mehr können als früher?

Die Arbeitswelt hat sich für Künstler*innen stark verändert. Man braucht zum Beispiel digitale Kompetenzen, Kulturmanagement und Kulturvermittlung sind gefragt und wissenschaftliches Know-how. Es ist mittlerweile State of the Art, dass Künstler*innen auch über das Programm sprechen, das sie spielen, oder dass sie es selbst kuratieren. Oder dass sie über Musik forschen. In unserer Stabstelle für Begabtenförderung versuchen wir in individuellen Gesprächen herauszufinden, was unsere Studierenden zusätzlich zu den bestehenden Curricula für Talente und Interessen haben, um ihre sogenannten Portfolio-Karrieren zu entwickeln.

Was bedeutet das genau?

Die Möglichkeit, einen eigenen beruflichen Weg bewusst zu finden und zu gestalten. Das kann vieles sein: beispielsweise Creating new audiences, Kompetenzen im Outreach-Bereich oder Crossover zwischen Klassik und Jazz. Es geht darum, ein spezielles künstlerisches Profil zu entwickeln, sich von anderen abzuheben und schon früh damit zu beginnen, innovativ zu sein.