Hero APP 4621

Bank Austria Studio in der Seestadt, Foto: Alexi Pelekanos

01.02.2022

Vulva in der Stirn

Themen

Das sind die neuen Gewinnerinnen für die Bank Austria Studios: Camille Holowka, Karolin Braegger, Katharina Hölzl und Sarah Fripon werden demnächst in ihre Ateliers in Wien einziehen, S()fia Braga in ihr Studio in Linz. Wir haben die Kunst-Newcomerinnen gefragt, womit sie sich beschäftigen und was sie in dem neuen Studio alles machen wollen.

Wir sind die Neuen: Fünf spannende Newcomerinnen ziehen demnächst in ihre Bank Austria Studios in Wien und Linz. Wir stellen drei Fragen an sie.

Drei Fragen an …

Sarah Fripon: Pending Objects
Part 1 & 2, Foto: Sarah Fripon

Sarah Fripon: Das Bad, Foto: Sarah Fripon

Sarah Fripon

Das bin ich …

Ich habe bildende Kunst an der Akademie in Wien studiert, unter anderem in der Klasse von Ashley Hans Scheirl. In meiner Kunst interessieren mich Themen wie Machtstrukturen, physisches Geld, Comfort Food, Schönheitsideale und Hygiene. Der entschleunigende Prozess der Malerei gibt mir Zeit, über diese Dinge nachzudenken. Meine Arbeiten zielen nicht darauf ab, Antworten zu geben oder meine Theorien zum Weltgeschehen zu illustrieren. Sie sind Assoziationsketten, die Gedanken oder Gefühle hervorrufen können – für mich und andere. Meine Malerei sehe ich als Gesprächsöffner.

Damit beschäftige ich mich …

Meine Sujets nehme ich aus dem uns umgebenden Alltag. Es können Fotos von einem Stadtspaziergang sein, die zur Malerei werden – genauso ein Schaufenster, eine Eingangstür oder eine Reflexion im Gemüsemesser. Aber auch Eindrücke von Plakatwerbungen, Clickbaits, Filmstills, Screenshots und Schnappschüsse von Objekten unserer und vergangener Zeiten finden Eingang in meine Kompositionen. So lege ich ein Archiv an, aus dem ich einige Bilder herausnehme, sie modifiziere, collagiere und so bearbeite, dass sie zu einer ästhetischen Synthese unserer Zeit werden. Sie sind lose verknüpfte Gedankenketten zum Geschehen um mich herum, die auf der Leinwand zum Sujet werden.

Dabei hilft mir ein Studio …

Ich brauche Freiraum, der sich durch einen freien Kopf und freie Zeit definiert. Durch ein mietfreies Atelier kann ich mich ganz meiner künstlerischen Arbeit widmen. Ich muss mir keinen Nebenjob suchen und habe somit weniger Druck und mehr Zeit, meine Entwicklung voranzutreiben.

Camille Holowka: Invisible Stories, Foto: Camille Holowka

Camille Holowka, Foto: Sandra Herbsthofer

Camille Holowka

Das bin ich …

Ich wurde 1990 in Genf geboren, bin in Frankreich aufgewachsen und lebe jetzt in Linz und Wien. Ich habe bei Eva Grubinger sowie bei Tobias Urban und Ali Janka (Gelitin Kollektiv) studiert. 2021 habe ich mein Diplom gemacht.

Damit beschäftige ich mich …

Meine Arbeit umfasst Skulptur, Plastik und räumlich bezogene Installationen. Inspiration finde ich in der Kunstgeschichte, Architektur sowie in der traditionellen Handwerkskunst und deren Arbeitstechniken. In meiner Ausstellung „I'm Gonna Move Right In“ habe ich eine Installation gezeigt, die von ländlichen Motiven geprägt war. Gebaute Räume oder vom Menschen beeinflusste Umgebungen sind für mich keine sprachlosen Zeugen einer anderen Zeit. Sie fungieren als gesellschaftlicher Spiegel. Sie können kulturelle und politische Spannungen vergangener Epochen transkribieren und ermöglichen es auch, unsere Zeit besser zu verstehen.

Dabei hilft mir ein Studio …

Ich bin natürlich sehr neugierig auf die Zeit, die vor mir liegt. Auf die neuen menschlichen und künstlerischen Begegnungen. Alles andere ist tägliche Arbeit, an Projekten, an Ideen, ermöglicht durch das Atelier.

Karolin Braegger: „Actress I“ in der Ausstellung „Molly House“, Foto: Christian Siekmeier

Karolin Braeggers, Foto: Neven Allgeier

Karolin Braegger

Das bin ich …

Ich wurde 1993 in Zürich geboren und habe im November 2021 das Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Heimo Zobernig mit Auszeichnung abgeschlossen. 2017 machte ich den Bachelor in Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste. Vielseitigkeit ist mir wichtig, sie ist ein systematischer Teil meiner Praxis. Meine Objekte bewegen sich zwischen Skulptur, Requisit, Kostüm und Performance.

Damit beschäftige ich mich …

Grundsätzlich arbeite ich mit Stoffen, mit Patchwork (weil es erlaubt, alles nebeneinander zu stellen und miteinander zu verbinden) und mache Kleider (maßgeschneiderte Anzüge für andere oder mich selbst), Bilder oder gehärtete Stoffobjekte, die einen realen Gegenstand nachahmen, aber aus der fixen Form fallen. Mich interessiert aber auch der Wert unterstützender und fürsorglicher Gesten in unserer Gesellschaft. In performativen Projekten habe ich anstelle von oder zusätzlich zu eigenen Performances andere Künstler*innen eingeladen, in der jeweiligen Institution aufzutreten. Um das möglich zu machen, habe ich viel organisatorische Arbeit übernommen; Gelder beantragt, Schlafplätze organisiert und zwischen den Kurator*innen und den Künstler*innen vermittelt, damit nicht einfach mehr Arbeit auf die Kurator*innen abgewälzt wurde: Da sehe ich beispielsweise ein fürsorgliches Handeln und denke über den Zusammenhang von Vermitteln und Ermöglichen nach. Robert Walser schreibt: „Es sind die kleinen Gesten des Alltags, die minimalen Bewegungen, die zum Gelingen des Ganzen entscheidend beitragen.“

Dabei hilft mir ein Studio …

Das Bank Austria Studio ermöglicht mir, mich zwei Jahren lang, unterstützt durch Weiterbildungen, uneingeschränkt auf die Entwicklung meiner künstlerischen Praxis konzentrieren zu können. Das ist ein Privileg und eine große Chance.

Katharina Hölzl: Ohne Titel, Foto: N.V.

Katharina Hölzl: Ohne Titel, Foto: Verena Nagl

Katharina Hölzl

Das bin ich …

Ich wurde 1987 geboren und habe Bildhauerei bei Heimo Zobernig an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert. Meine Arbeiten wurden zuletzt im Taxispalais, Kunsthalle Tirol (2021), in der Galerie im Heiligenkreuzerhof (Wien, 2021), in der Galerie der Stadt Schwaz (2019) und im Kunstraum Foundation (2019) gezeigt.

Damit beschäftige ich mich …

In meinen Arbeiten bringe ich unterschiedliche Interessen wie Skulptur, Malerei, Alltägliches oder Überlegungen zu Literatur und Sprache zusammen. Meine Produktion ist ein Nachdenken darüber, wie verschiedenes Material nebeneinanderstehen kann, ohne dass das eine das andere erklärt. Ich interessiere mich für Themen, die von der Form der Arbeit schwer zu trennen sind, etwa Resonanz, Blackout/Whiteout, Performance und Sprache. Auch die Beziehung zwischen den Arbeiten im Raum ist für mich sehr wichtig.

Dabei hilft mir ein Studio …

Im Studio wird es Platz geben, um auch mit größerem Material über einen längeren Zeitraum an etwas arbeiten zu können. Ich freue mich darauf, zwischen begonnenen Objekten und fertigen Arbeiten neue Verbindungen herzustellen.

S()fia Braga: I stalk myself more than I should, Ars Electronica Festival 2019, Foto: Wesley Lee

S()fia Braga, Foto: Giacomo Piazzi

S()fia Braga

Das bin ich …

Ich wurde 1991 in Parma, Italien, geboren und lebe in Linz. In meinen Arbeiten untersuche ich Themen wie Interveillance (teilnehmende Überwachung) und die Wiederentdeckung des Potenzials des Körpers durch den Einsatz neuer Technologien.

Damit beschäftige ich mich …

Derzeit arbeite ich an „Forehead Vulva Channeling Research“, einem performativen Projekt. Es geht um Studien über eine Vulva in der Stirn, die durch Körperbewusstseinsübungen und spezialisierte Technologien kanalisiert werden kann. Der Zweck des Öffnens der Stirn-Vulva besteht darin, den Körper zu transformieren und neue Potenziale wiederzuentdecken, derer wir uns nicht bewusst sind. Das Projekt begann als eine Reihe von Augmented-Reality-Gesichtsfiltern, es bewegt sich durch dunkle Atmosphären, versucht aber gleichzeitig humorvoll, das gängige Stigma in Bezug auf Körper und Sexualität zu überwinden.

Dabei hilft mir ein Studio …

Ungeachtet dessen, was die Leute über Künstler*innen denken mögen, die mit digitalen Formaten arbeiten, brauchen wir physische Studios, um unsere Projekte zu verwirklichen. Für mich ist es essenziell, einen Raum zu haben, in dem ich meine multimedialen Installationen ausarbeiten und proben kann, und der gleichzeitig ein Set für die Erstellung von Videos und Fotoshootings sein kann. Ich glaube auch, dass es für jeden Kunstschaffenden wichtig ist, einen Raum mit anderen Kreativen zu teilen, um seine Forschung weiterzuentwickeln.