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03.05.2021

Lofts in Transition

Bis ins nächste Jahrzehnt entsteht in Aspern Seestadt, einem ganz neuen Stadtteil von Wien, Raum zum Leben und Arbeiten für 40.000 Menschen.

Es ist ein gigantisches Projekt, das da gerade wächst. Ingrid Spörk von der Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 erzählt, was gerade in der Seestadt passiert und warum Künstler*innen dabei so wichtig sind.

Die Seestadt lädt sehr viele Künstler*innen ein. Warum sucht ihr diese Nähe?

Es gab schon Performances, da war noch kein einziger Bagger aufgefahren. Damals wollten wir sozusagen ein Bild von der zukünftigen Seestadt entwerfen. Es ging darum, Visionen zu entwickeln. Da passte es gut, mit Menschen, die kreativ sind, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Mit der Zeit hat sich die Zusammenarbeit dann sogar intensiviert. Es gab immer viel Kunst im öffentlichen Raum, weil wir auch reflektieren wollten, wie sich der Ort verändert. Ein gutes Beispiel dafür ist die „Notgalerie“ von Reinhold Zisser, eine ehemalige Notkirche, die genutzt wurde, um junge Künstler*innen mit ihrer Kunst in die Seestadt einzuladen.

Wie reagieren die Einwohner*innen darauf?

Sehr positiv. Alle Angebote sind interaktiv gedacht. Es ist immer viel darum gegangen, die neu ankommenden Seestädter*innen direkt einzubeziehen. Im seeLab, einem Forschungs- und Entwicklungslabor für Medienkunst, hat man oft mit Bewohner*innen zusammengearbeitet und gemeinsame Themen entwickelt. Es gab Straßenperformances und Konzerte mit elektronischer Musik, die auch junge Menschen einladen sollten, sich doch einfach mal die Seestadt anzuschauen. Uns ist die Vielfalt wichtig. Dass wir ein breites Angebot haben – für Menschen aus der Seestadt und für solche, die aus Wien und der Umgebung kommen.

Künstler*innen Kollektiv Contemporary Matters in der Seestadt. Foto: Max Reinhold

HoHo Wien, Foto: Daniel Hawelka

Klingt cool. Die Seestadt ist aber noch lange nicht fertig, oder?

Nein, wir wachsen noch immer stark, sind dynamisch. Rund um die Seestadt gibt es noch andere Stadtentwicklungsprojekte – das ganze Gebiet ist im Aufbruch. Deshalb sind junge Künstler*innen auch so wichtig. Über die Kunst wollen wir die Vernetzung der Menschen, die neu in diesen Stadtteil kommen, fördern. Man trifft sich bei Kulturveranstaltungen, tauscht sich aus.

Ingrid Spörk Foto: SiMshot

Ist es für Künstler*innen aufregend, dass noch nicht alles verbaut ist?

Total, wir bekommen oft das Feedback, dass diese Übergangssituation inspirierend ist. Gerade die Brüche in der Entwicklung interessieren Künstler*innen sehr. Man sieht bei uns das Zusammenwachsen von urbanen Qualitäten und Freiraum. Die Stärke beider Welten, das urbane Großstadtgefühl und die Naturnähe. Im Süden des Sees ist die Stadt schon recht dicht besiedelt. Das Seeparkquartier, wo sich auch die Bank Austria Studios befinden, wird gerade sukzessive fertig. Aber auch da ist uns wichtig, dass nicht alles vorgegeben wird. Dass es Freiräume gibt für Nichtkommerzielles und Kulturelles. Kennst du die Impulsräume in der Sonnenallee 26?

Nein, was ist das?

Das ist ein ziemlich einzigartiges Projekt. Die Impulsräume sind im Erdgeschoß einer Hochgarage angesiedelt. Warum dort? Sie haben große Auslagen und sind dadurch auch sehr einladend. Sie können für unterschiedliche Aktivitäten genutzt werden, zum Beispiel als Nachbarschaftsraum, wo Vereine und Initiativen aus der Seestadt und Umgebung aktiv werden können. Oder als Studios für Künstler*innen. Gerade in neuen Stadtteilen gibt es ja oft keine leerstehenden Räume, weil alles genutzt wird. Aber wir finden, gerade solche Freiräume machen eine Stadt aufregend und überraschend.

Sirius Seestadt Aspern, Foto: Kurt Hörbst

Foto: Daniel Hawelka