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Foto: Alexi Pelekanos

20.09.2021

Shapeshifters in der Seestadt

Julia Zastava ist immer für Überraschungen gut. Sie wurde 1982 in Moskau geboren, hat Ballett gelernt, als Punk gelebt, Kunst studiert und ist nach Wien gezogen. Auch in ihren Zeichnungen, Performances, Installationen und Videos begegnen wir Figuren, die sich nicht festlegen lassen möchten.

Sind es Menschen, Tiere oder ganz etwas anderes? „Mich interessiert das Hybride, die Erweiterung der Realität“, sagt die Künstlerin, die ihr Atelier in der Seestadt bezogen hat.

Julia Zastava
Foto: XFyona

Ein niedlicher Fellhaufen liegt am Boden einer Galerie. Man möchte mit ihm kuscheln. Aber irgendwie wirkt das kugelrunde Ding auch unheimlich. Surreal wird die Kunst von Julia Zastava gern genannt, als Besucher*in ist man fasziniert, aber auch irritiert von dieser fremden Welt, die sich nicht enträtseln lässt. Eigenartige exzentrische Wesen scheinen da ihre festen Formen zu variieren, Hybride aus Mensch und Tier bevölkern ihr Werk. Wie Shapeshifter in Sci-Fi-Filmen wechseln sie ihr Aussehen, ihre Sexualität und ihre Form.

Wir sind komplex und abgründig

Zastava geht es darum, die Realität zu erweitern, aber auch, unser Denken herauszufordern, das sofort alles in geordnete Bahnen lenken möchte. Zauberhaft, aber auch abgründig sind die Welten, die sie entwirft. „Ich denke, dass wir komplexer sind, als wir uns in der Gesellschaft verhalten. Heimliche Begierden faszinieren mich“, sagt Zastava. Mit fünf Jahren beginnt sie mit Ballettunterricht, landet auf einer exklusiven Schule in Moskau, überlegt ernsthaft, Tänzerin zu werden, doch dann schließt die Ausbildungsstätte. Sie wird Punk, eher zum Schrecken ihrer Eltern, läuft barfuß herum, lebt zeitweilig sogar auf der Straße.

Foto: Alexi Pelekanos

Foto: Alexi Pelekanos

Dracula im Fenster

Bis sie mit 15 entscheidet, sich an der Universität zu bewerben und Kunst zu studieren. Damals fertigt sie viele erotische Zeichnungen an, erzählt sie, ohne so recht zu verstehen, was sie da genau macht. „Meine Figuren sind Außenseiter, sie kämpfen gegen Normen, auch weil ich finde, wir werden im Kapitalismus gezwungen, alle irgendwie gleich zu sein. Dabei gäbe es so viel mehr auszuprobieren und zu entdecken.“

Sie interessiert sich für Video. Später kommen Sound und Performance dazu. „Eines geht ins andere über, ich möchte mich nicht spezialisieren.“ So sind Musikalben entstanden, im Tanzquartier hat Zastava eine Performance gezeigt, zuletzt hat sie an einer neuen Serie an Zeichnungen gearbeitet, die sich Dracula at the Window_extra+ nennt.

Foto: Alexi Pelekanos

Tischtennis und Schwimmen

Und warum ist sie in Wien gelandet? „Ich dachte, die Landschaft ist schön, als ich durchgefahren bin.“ Eine typische Zastava-Antwort. Aber es scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Sie fühlt sich wohl hier. Bei Ashley Hans Scheirl hat sie kontextuelle Malerei studiert, zeitweise auch in Berlin gelebt. In den letzten Monaten hat sie ein Atelier in der Seestadt bezogen. „Es ist großartig, so viel Platz zu haben. Der ideale Proberaum für meine Performances. Und mein Keyboard fühlt sich auch wohl“, schwärmt sie. „Es gibt einen Tischtennistisch, der ganz in der Nähe steht. Und der See fühlt sich wie Urlaub an.“

Julia Zastavas Lieblingsplätze in Wien:

  • Der Tischtennisplatz um den Beethovenplatz in 1010 - ich bin verrückt nach Ping Pong.
  • Die Brigittenauer Brücke - ich liebe den Blick, wenn ich nach dem Schwimmen heimgehe.
  • Mein Studio in der Seestadt - der ideale Ort, um das Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren, und mich total in meine Arbeit zu stürzen.